Die wichtigste Beziehung deines Lebens
Ein Manifest von Valerie Junger
Ich beobachte etwas. Täglich. In mir, in meiner Arbeit mit Frauen, in Gesprächen, in den Momenten, in denen jemand anfängt, wirklich ehrlich zu sein.
Frauen, die außergewöhnlich viel können. Die Verantwortung tragen, Systeme am Laufen halten, für andere da sind – mit einer Selbstverständlichkeit, die beeindruckt. Frauen, die gleichzeitig spüren, dass da etwas fehlt. Dass sie sich selbst irgendwo verloren haben. Dass sie funktionieren, aber sich dabei zunehmend fremd werden.
Das ist das Ergebnis einer Beziehung, die zu lange vernachlässigt wurde.
Die Beziehung zu sich selbst.
Ich glaube, dass diese Beziehung die wichtigste ist, die ein Mensch führen kann.
Wichtiger als jede berufliche Verbindung. Wichtiger als jede Partnerschaft. Weil alles andere auf dieser einen aufbaut. Wie du dich zu dir selbst verhältst, bestimmt, wie du entscheidest. Wie du dich zeigst. Welchen Raum du einzunehmen bereit bist. Wie viel Vertrauen du in dich selbst mitbringst, wenn es darauf ankommt.
Die Qualität dieser Beziehung zeigt sich in den kleinen Momenten. In dem, was du dir sagst, wenn etwas schiefläuft. In dem, wie du mit deiner eigenen Erschöpfung umgehst. In dem, was du von dir verlangst – und was du dir erlaubst. In der Frage, ob du dir selbst gegenüber mit derselben Güte begegnest, die du anderen so bereitwillig gibst.
Ich kenne diesen Weg aus eigener Erfahrung. Ich kenne die Phasen, in denen ich geglaubt habe, immer stark sein zu müssen. Alles alleine zu schaffen. Zu funktionieren, zu liefern, zu tragen, zusammen zu halten – und gleichzeitig nach außen hin so zu wirken, als wäre das alles völlig selbstverständlich. Als Overachieverin war mein Anspruch an mich selbst lange mein härtester Antreiber. Bis der Moment kam, in dem das alles an seine Grenzen gestoßen ist.
Was mich herausgeführt hat, war eine tiefere Form von Selbstführung. Die Entscheidung, mir selbst gegenüber präsent zu sein. Ehrlich. Wohlwollend. Konsequent.
Das hat verändert, wie ich lebe. Wie ich arbeite. Wie ich führe.
Self-Leadership beginnt hier.
Bei der Frage: Wie stehe ich zu mir selbst?
Führst du dich mit Vertrauen oder mit Druck? Aus deiner eigenen Mitte heraus – oder aus dem inneren Lärm der Erwartungen anderer? Mit Klarheit und Wohlwollen – oder mit Ungeduld und Härte?
Das ist die praktischste Frage, die es gibt. Denn wie du sie beantwortest, zeigt sich in allem, was du tust.
Ich wünsche mir eine Welt, in der Frauen sich selbst ernst nehmen.
In der die Beziehung zu sich selbst als Fundament gilt. In der Selbstführung bedeutet: sich selbst kennen, sich selbst respektieren, sich selbst ehrlich begleiten – mit der Güte und Konsequenz, die echte Entwicklung ermöglicht. In der Frauen jetzt beginnen. Mit dem, was ist. Mit wem sie sind.
Du bist die wichtigste Beziehung deines Lebens.
Es ist Zeit, sie zu führen.
Valerie Junger ist Coachin und Mentorin für Frauen, die sich selbst wieder in Führung bringen wollen.